Seglerhaus-Konzert 2018

Zum Wannsee ohne Badehose, aber im Frack: Solisten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin spielen im Seglerhaus am Wannsee Klassisches und Klassizistisches. Ein Hauskonzert für Liebhaber und alle, die es werden wollen.

Mit der Wiederentdeckung barocker Musik begann die große Karriere des Cembalos. Zu Zeiten von Johann Sebastian Bach war es eines unter diversen Tasteninstrumenten gewesen; im 20. Jahrhundert avancierte der charakteristisch angerissene Klang der Cembalo-Saiten zum Erkennungsmerkmal „Alter Musik“ schlechthin. Das „Alte“ dieser Musik wirkte zugleich so neu, dass sich auch zahlreiche Komponisten dafür interessierten – vor allem, als in den kargen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die üppigen Mittel der Spätromantik unzeitgemäß wirkten. Der heutzutage so gut wie vergessene Komponist Walter Leigh war einer von ihnen; als Schüler von Paul Hindemith schuf er mit seinem kleinen Cembalo-Konzert ein typisches Beispiel des Neoklassizismus. Leighs Musik übersetzt Formen und Gesten aus der Barockzeit in die Moderne und ist zugleich um Spielbarkeit und Zugänglichkeit bemüht.

Diese Idee verfolgte in jener Zeit – den frühen 1930er Jahren – auch Béla Bartók mit seinen knapp gehaltenen Violinduos, die sich gleichfalls einer fremden Musiksprache annähern. Bartók fand seine Vorbilder allerdings nicht in der Vergangenheit, sondern in der zeitlosen Musik der Balkanvölker, die er in gleichsam undomestizierter Form in Musikzimmer und Konzertsäle brachte. Auch sein Zeitgenosse Igor Strawinsky verstand sich auf derlei musikalische „Importe“ und war spätestens seit dem Skandalerfolg des Balletts „Le sacre du printemps“ (1913) immer für ein Spektakel zu haben. Seine Elegie aber kommt mit noch weniger Mitteln als Bartóks puristisches Werk aus: Nur eine Viola benötigt Strawinsky, um den Zustand der Welt anno 1944 klingend auf den Punkt zu bringen.

Eingerahmt wurde dieses „Hauskonzert“ im Seglerhaus am Wannsee Berlin durch zwei klassische Meisterwerke: In seinem für Liebhaber geschriebenen Flötenquartett C-Dur balanciert Wolfgang Amadeus Mozart zwischen kompositorischer Raffinesse und unterhaltsamem Tonfall; in seinem 5. Brandenburgischen Konzert stellt Johann Sebastian Bach das Prinzip des Wettstreits verschiedener Instrumente auf eine neue Stufe, indem er aus dem barocken Concerto grosso ausbricht, das Cembalo von seiner Rolle als Begleitinstrument erlöst und das moderne Klavierkonzert erfindet.
(Text: Olaf Wilhelmer - Deutschlandfunk Kultur)
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Das Konzert fand gestern Abend im sehr gut gefüllten Großen Saal des Seglerhauses statt. Es war wieder der pure musikalische Genuss.

Für alle, die das Konzert verpasst haben oder die Musik noch einmal hören wollen:

Deutschlandfunk Kultur hat das Konzert live mit geschnitten und sendet es morgen, Dienstag 30. Januar 2018 um 20:03 Uhr über seine Hörfunkfrequenzen aus.

Vielen Dank an die alle, die das Konzert mit ihrem Beitrag unterstützt haben; die Erlöse kommen komplett unserer Jugendabteilung zu Gute. Und auch im nächsten Jahr wird es wieder ein Konzert geben.

 

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