150 Jahre 1. deutsche Binnenregatta in Berlin

Rolf Bähr und Kuddel Wernicke schreiben dazu auf der Internetpräsenz des SC Brise 1898:

"Nach Gründung des Norddeutschen Bundes zog die preußische Hauptstadt Berlin viel maritimes Brauchtum und auch einstige Kapitäne der Seeschifffahrt an. So gründeten sich dann auch 1867 fast gleichzeitig zwei Seglervereinigungen, eine im Westen der Stadt auf Pichelswerder als „Gesellschaft der Vereinigten Segler der Unterhavel“ (ab 1881 VSaW) und eine im Osten in Stralau als „Berliner Segler-Club“ (ab 1885 BYC). Letzterer wollte mit einem Paukenschlag ins Leben treten und propagierte sehr öffentlichkeitswirksam schon Anfang 1868 für Segler an Spree und Havel ein im Binnenlande bis dato nicht bekanntes „offenes Preissegeln“. Dieses Wettsegeln sollte unter dem Namen „Berliner Regatta“ am 17. Mai 1868 auf dem Müggelsee stattfinden.

Infolge eines tödlichen Segelunglücks auf diesem „gefährlichen Oberspreegewässer“ disponierte der Club um und verlegte das ausgeschriebene Preissegeln vom Müggelsee auf die Wendische Spree, den Langen See, zwischen dem Köpenicker Müllereck und der für die Wendemarke ausgesuchten Grünauer Bammelecke. Die Umorganisation der Logistik verlangte auch eine terminliche Verschiebung. Und so startete die „Regatta von Berlin“ dann am 7. Juni 1868 an der Rohrwallinsel an Köpenicks Köllnischer Vorstadt.

Zur Teilnahme gemeldet hatten 37 Yachten, von denen einige selbst den weiten Weg von den Potsdamer Havelgewässern aus nicht gescheut hatten. Drei Meldungen wurden – gegen Zahlung eines Bußgeldes! – zurückgezogen, so dass 34 Teilnehmer am Start waren, die nach der Größe ihrer Segel in vier Gruppen eingeteilt waren. Um dreiviertel Elf nach Köpenicker Ortszeit wurde bei leichtem Wind in Minutenabständen gestartet, und um kurz nach halb Zwei passierte der Letzte die Ziellinie. Das Ganze war als Zeitsegeln organisiert und das mathematische Geschick der Veranstalter für eine akribische Auswertung mit von Segelflächen abgeleiteten Vergütungstabellen nötigt heute noch im Zeitalter von Yardsticks und Computer-Programmen höchste Achtung ab.

Die drei Zeitschnellsten der Gruppen wurden mit Sachpreisen geehrt. Absolut Zeitbester des gesamten Rennens und Sieger der ersten Gruppe (35 bis 38 qm) war die Potsdamer Yacht „Albatros“ des Eigners Friedrich Burghalter. Den Schluss der in jeder Tageszeitung – teilweise prominent – gewürdigten Regatta bildete ein gemeinsames Abendessen um 8 Uhr bei Riemer in Treptow, wo viele „heitere Toasts die Gesellschaft bis nach 11 Uhr zusammenhielten“."

Fast auf den Tag genau 150 Jahre später wurde gestern auf der Dahme an dieses bedeutende Ereignis in der deutschen Seglewelt mit einer Jubiläumswettfahrt erinnert.  Der SC Brise, die TSG Grünau und der Berliner Yacht-Club richteten diese Wettfahrt aus, die vom Berliner Segler-Verband veranstaltet wurde. Neben der extra entsandten LIESELOTTE nahmen als aktive Segler Dr. Florian Hentschel und Holger BocK auf der H-Jolle GER 399 'Kleine Brise' teil und vertraten unsere Vereinsfarben würdig. In der Wertung der Jollen belegten sie den 3. Platz.

Der Bericht von Florian:

"Ein großes Lob an die Veranstalter! Der SC Brise hatte seinen Hafen komplett leergeräumt, so dass genug Platz für alle Teilnehmer war. Alle Brise-Mitglieder, insbesondere Hafenmeister und Kranführer, waren unglaublich hilfsbereit und kompetent beim Kranen und Verholen der ganzen hölzernen Kostbarkeiten. Der Anblick eines Hafens  komplett voll mit klassischen Holzjachten erzeugt schon eine ganz eigene Stimmung. 

Die Regatta selbst entsprach ziemlich genau dem historischen Kurs. Für heutige Verhältnisse war sie daher unspektakulär - ein Halbwind-Start vom Steg aus, gefolgt von einer langen Kreuz die Dahme entlang mit einem Raumschots-Zieleinlauf vor der TSG. Aber auch hier hatten die Veranstalter schon im Vorfeld ganze Arbeit geleistet: Die Ruder-Regattastrecke war größtenteils abgebaut, das Verbot der Aufkreuzens in diesem Bereich aufgehoben. Von 12 bis 16 Uhr  war die Strecke sogar für die Berufsschifffahrt gesperrt.  

Und das war auch gut so! Ich hätte nie gedacht, dass es ein Revier gibt, wo der Wind noch zickiger ist als bei uns auf dem Wannsee. Aber die Dreher, Löcher und Böen erschienen mir tatsächlich noch extremer. Mit einem Pulk von 50 klassischen Jachten, die in dem engen Flusslauf gegenan zackelten, war das schon ein Erlebnis.  

Unser eigenes Rennen war eher mäßig. Durch die Trailerfahrt und das Stehen an Land hatte die Jolle ziemlich spacke Planken, so dass bei Lage jede Menge Wasser hereinkam.  Ich versuchte, die Jolle trotzdem so gut wie möglich in Fahrt zu halten und wenigstens die größten Dreher mitzunehmen. Holger hatte währenddessen mehr mit der Lenzpumpe zu tun, als mit der Vorschot. Der dritte Platz war daher eine schöne Überraschung. Mit so viel Wasser im Schiff und ohne Möglichkeit, den Spi zu ziehen, hätte ich eigentlich eher mit DNF gerechnet."  

Alle Ergebnisse

Sören Hese hat eine Bildergalerie zusammengestellt; sie ist HIER aufzurufen.

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